Das Alte Klinikum

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Begegnungen
Umwelt
Das alte Torhaus
"mein" Altes Klinikum

Allgemeine Informationen

Wo ist denn dieses schöne Fleckchen Erde?

Nun - es ist das ehemalige Gelände der Universitätsklinik in Aachen, auch bekannt als das "Alte Klinikum", an der Goethestrasse in Aachen, ganz in der Nähe des Hangeweihers.

Mit dem Bus ist es über die Linie 2 zu erreichen. Man steigt an der Haltestelle "Schillerstrasse" aus und überquert die Goethestraße. Wenn man jetzt durch das letzte noch verbliebende Torhaus geht, steht man urplötzlich mitten in der grünen, wilden Natur - und das mitten in Aachen !!

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Wie groß ist das alte Klinikum?

Besser fragt man "Wie groß ist es noch?"

Als im Februar 1985 die Abrissbagger kamen, um die meisten der alten Klinikums-Gebäude einzuebnen (Die Keller wurden nur verfüllt), war das Gelände 16 Hektar gross.In den noch verbliebenden Gebäuden siedelten sich - teilweise mit Anbauten - die Waldorfschule und Missio an.

Schließlich baute die AMB, damals noch "Aachener und Münchener Lebenversicherung" eine mehr als repräsentative Konzernzentrale mitten in das Alte Klinikum hinein.

Ab 2002 schließlich wurde gleich daneben der Neubau des Rechenzentrums hochgezogen (Grundstück: 7650 Quadratmeter).

Richtig neue Arbeitsplätze wurden übrigens dadurch nicht geschaffen. Im wesentlichen zogen AMB-Beschäftigte von anderen Standorten in Aachen (Aureliusstraße, Theaterstraße und Robert-Schumann-Straße) zum neuen Prunkbau (s. Aachener Nachrichten vom 26.04.2003). Der Neubau wurde am 28.06.2003 feierlich eingeweiht

Am 15.07.2003, also keine drei Wochen später gibt die AMB bekannt, dass sie weitere 32.000 Quadratmeter des Parks kaufen möchte (Salamittaktik). Das ist mehr als die Hälfte des noch verbliebenden Geländes !!!

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Begegnungen

Plötzlich verlassen von Mitarbeiterm und Patienten, dann auch ohne Gebäude, lag das Gelände des alten Klinkums brach. Ein Fremdkörper im betonierten Stadtgefüge. Es dauerte aber gar nicht lange, da trauten sich die ersten "Städter" in die kleine Wildnis. Sie eroberten die Wiesen (und die Wiesen eroberten die Wege).

Von allen Seiten und aus allen Schichten strömen jetzt Menschen in dieses kleine Paradies. Genießen es mal nebeneinemander, mal miteinander:

Ob

  • Hunde und ihre Frauchen und Herrchen,
  • Kinderwagen mit ihren Schubserinnen und Schubsern,
  • Kinder mit und ohne ihre Erziehungsberechtigten,
  • Grillen mit ihren Meisterinnen und Meistern,
  • Flaschen mit ihren Hälsen (und Hälsinnen),
  • Campingstühle mit ihren Besetzerinnen und Besetzern,
  • Müll mit seinen Wegräumerinnen und Wegräumern,
  • Philosophien mit ihren Verfechterinnen und Verfechtern,
  • Bierbäuche mit ihrem Nachschub,
  • Rechte mit ihren Autonomen,
  • Bücher mit ihren Schmökerinnen und Schmökern,
  • Frisbeescheiben auf der Suche nach ihren Fängerinnen und Fängern,
  • einsame Gedanken mit ihren Denkerinnen und Denkern,
  • Angebetete mit ihren Hörigen,
  • Spritzenbestecke mit und ohne ihre Junkies,
  • Liegedecken mit ihren Faulenzerinnen und Faulenzern,
  • heisse Scheiben mit ihren DJs,
  • dumpfe Bässe mit und ohne Tänzerinnen und Tänzer,
  • Pausenbrote mit ihren Mitbringerinnen und Mitbringern

- jede Pflanze, jedes Tier, jedes Ding und letztlich auch jeder Mensch findet im Park "sein" Plätzchen, alleine oder mit Gleichgesinnten!

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Umwelt

Und hier werden bald Umweltbetrachtungen, Tierportraits, und die Ergebnisse der letzten Schneckenwettrenen auftauchen...

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Das Alte Torhaus

Das alte Torhaus

Schon verkauft an die AMB Generali...

Hier wird bald mehr über das Torhaus stehen. Aber sehen Sie es sich zuerst doch einmal mal selbst an. Es wurde 1904 zusammen mit anderen Gebäuden des Elisabethkrankenhauss (dem Vorläufer des "Aachener Klinikums" gebaut. Es besitzt, vorsichtig formuliert, eine sehr "phanatsievolle" Architektur. Von Rundfenstern, Erkern, Türmen, Verzierungen irgendwo zwischen Jugendstil und Kitsch bis hin zu Fachwerk-Elementen ist alles enthalten.

Und es bildet seit jeher den Zugang zum Gelände das alten Klinikums. Gerade dieser Eingangs-Charkter des Gebäudes muss erhalten bleiben, sonst beraubt man dieses denkmalgeschützte Gebäude seiner ursprünglichen (und auch jetzt noch benötigten!!) Funktion.

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"mein"Altes Klinikum

"Aber "mein" Altes Klinikum ist doch ganz anderes! "

So? Dann schreiben Sie uns doch einfach, was für Sie das Alte Klinikum ausmacht!

Wir werden Ihre Geschichten gerne hier veröffentlichen, je nach Wunsch mit oder ohne Ihrem Namen. Schicken Sie ihren Text einfach an: info@luup.org

Hier sind schon einmal einige Geschichten:

Der Park - nicht einfach ein Spielplatz, sondern ein Platz für Kinder

Warum werden glückliche Kinder in der Werbung eigentlich immer nur im Grünen gezeigt, inmitten Bäumen, Felder, an der frischen Luft und den Wind um die Nase wehend? Und nie in der Häuser besäumten Straße, wo die Autos Ihr Recht des stärkeren einfordern?

Ganz einfach: Weil es stimmt !!!

Kleiner EntdeckerKinder brauchen Bewegung, wollen entdecken und erobern. Oder für sich spielen, beobachten und Pause machen. Dazu sind 2 Meter breite Fußwege, auf der einen Seite eine Häuserwand auf der anderen Seite, laute, stinkende und gefährliche Autos, sicher nicht geeignet. Und welche Anregung bietet ein sogenannter "Kinderspielplatz" mit Schaukel, Rutsche und Sandecke?

Wenn man sich aber einmal im Park auf die Suche nach Kindern begibt, wird man ausgeglichene kleine Entdecker finden (es sei denn Hunger, Müdigkeit oder andere Naturgewalten sind dagegen). Kinder, die durch Wiesen stiefeln und durch Pfützen staksen. Der Park ist bis unter die Baumwipfel voll mit Spielmöglichkeiten!

Es gibt soviel zu untersuchen: Matsche, Gräser, Blätter, Tannenzapfen, Kastanien oder Baumrinde. Wenn das langweilig wird, kann man sich auch einen von den herumliegenden ästen schnappen und auf das nächste Gebüsch dreschen, mal schauen, was so herunter fällt? Im Winter ist das besonders schön, dann kann man nämlich mit dem oben liegenden Schnee ein kleines Schneegestöber machen. Wenn dann noch die eigene Schwester was davon abkriegt, hat es sich besonders gelohnt! Oder, man macht sich ganz alleine auf den Weg in die Wiese, schaut dem Gras bei im-Wind-wackeln zu, lauscht den Vögeln beim Geschrei in den Bäumen, wie wärs mit Pusteblumen?. Vielleicht stolpert man dann noch über den einen oder anderen Käfer oder Wurm, davon gibts ja nun wirklich genug.

In diesem Park können Kinder Ihre eigenen wichtigen Erfahrungen machen, eigenständig werden und dadurch ihr Selbstbewusstsein entwickeln. Und es ist genug Freiraum vorhanden, damit sie sich Ihre eigenen Spiele machen und ihre eigene Kreativität entdecken können!

Kinder sind die Erwachsenen von Morgen. Wenn auch sie kreative, selbstbewusste Menschen werden sollen, brauchen sie Plätze wie den Park des alten Klinikums.

Georg Richter

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Vier Monate

Vier Monate war es her, dass ich unter Menschen gegangen war. Vier Monate, die ich in meiner Wohnung oder beim Arzt verbracht hatte. Vier Monate Kampf gegen das Aufgeben, Kampf gegen das Kämpfen. Und dann dieser folgenschwere Satz des Therapeuten: "Auch in Ihrem Leben muß es einen Traum geben, den Sie sich noch nicht erfüllt haben. Vielleicht ist jetzt die Zeit dazu." Klar, Haus, Mann, Kind, Hund. Wer bitte schenkt mir ein Haus? Wer bitte verliebt sich mal eben in mich und ich in ihn? Wer bitte... Ich fuhr also ins Tierheim.

Und nun stand sie da, kniehoch, braun und irgendwie unruhig. Ist schon klar, du mußt raus, Pipi machen.

Die Einsamkeit zu verlassen, so verhasst sie auch ist, kostet so viel Mut. Ich kannte mich aus in ihr, blind. Ich ahnte, was da draußen passieren würde. Es machte mir Angst, aber ich hatte keine Wahl mehr.

Die Hunde, meiner und die der anderen Menschen im Alten Klinikum, waren ein wunderbares Medium. Es war gar nicht schwer, mit den Menschen zu sprechen, denn es ging in aller Unverfänglichkeit ja nur um die Vierbeiner. WolfNach und nach lernte ich sie alle kennen, diese Tiere mit ihren Menschen und auch die Gründe, aus denen die Menschen sich irgendwann entschieden haben, mit einem Hund zu leben.

Als ich bemerkte, dass die Gespräche längst herzlich wenig mit Hunden zutun hatten, wir begannen, Leben miteinander zu teilen, jeder auf seine Weise von Nähe und Vertrauen, war es zu spät, wieder fortzulaufen, mich zu entziehen. Längst hatte diese Hunderunde begonnen, ein Stück Heimat für mich zu werden, die erste, die ich seit Jahrzehnten hatte.

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Nach langer Zeit

Nach langer Zeit war ich heute noch mal im alten Klinikum. Es ist ja wirklich sehr schön und friedlich, wie sich das heutige Leben dort darstellt.

Ich habe mal versucht, ansatzweise meinen alten Weg zur Bibliothek wiederzufinden. Es ist mir aber nicht gelungen obwohl die Treppengeländer noch zum Teil vorhanden waren. Meine örtliche Zuordnung verschwimmt irgendwie. 1977 hatte ich, bedingt durch meine Arbeit im Institut für Hygiene, Kontakte zur medizinischen Informatik geknüpft. Damals bekam ich dann einen Schlüssel für den Pavillon, in welchem die Terminals standen und ich konnte meine ersten Umgänge mit Computern üben. Lochkarten stanzen in der Hoffnung, dass das Programmierte auch funktionierte. Stephanie, meine Tochter, die in diesen Tagen ihre Hochzeit feiern wird, kann sich noch gut daran erinnern. Ich hatte sie gelegentlich mitgenommen. Sie erzählt mir heute noch von den Lochkartenerlebnissen. Aber warum schreibe ich das eigentlich? Vielleicht geht ja einiges zur Zeit wie Kraut und Rüben durch meinen Kopf....

Jürgen Aretz

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Lächeln ist etwas

Lächeln ist etwas, das gut tut. Lächeln ist etwas, das warm ist. Lächeln hat, glaube ich, immer etwas mit innerem Frieden zu tun.

Merkwürdig, wie oft es die ganz kleinen, unwichtigen Dinge sind, die mich Lächeln lassen. Wenn ich durch das erste Torhaus in den Park des Alten Klinikums gehe, stoße ich sehr bald auf eine Weggabelung.

Im letzten Herbst lag hier ungeheuer viel Laub. Es hatte geregnet und der Boden war rutschig und gefährlich.

Vier ältere Damen spazierten durch den Park und hatten an dieser Stelle große Mühe, nicht hinzufallen.

Auf dem Fußweg der Goethestraße waren gerade die Kehrmännchen, die das dortige Laub zusammenfegten. Die Damen sprachen die Kehrmännchen an und baten sie, den Weg vom Torhaus zur Weggabelung vom Laub zu befreien, da es für sie so gefährlich sei. Eigentlich dürften sie das nicht, war die Antwort, denn hier handele sich nicht mehr um öffentliche Wege, die in die Pflege durch die Stadt einbezogen würden. Aber gut, sie würden in ihrer Pause zumindest das Laub zu einem Haufen zusammenfegen. Genau das geschah. Am Nachmittag lag in der Mitte der Gabelung ein riesiger Haufen aus Laub, kleinen ästen und Erde. Seine Höhe betrug gut 80 cm und der Durchmesser gewiß 1,5m. Niemand kümmerte sich mehr darum. Alle gingen um den Haufen herum und so konnte er langsam zerfallen und immer niedriger werden.

Hund.

Der Winter kam und der Haufen verschwand tagelang unter Eis und Schnee. Zur Karnevalszeit war er schon bedeutend kleiner und flacher geworden. Im Frühling war er bis auf wenige noch vorhandene Stöckchen zu einer Art Erde geworden. Und als das Gras auf den großen Wiesen ringsum wieder anfing, zu wachsen und die ersten wilden Frühlingsblumen zu entdecken waren, da wuchs auch aus diesem Erdhäuflein mitten auf der Weggabelung zartes Grün, ein wenig Gras und zwei kleine Wildblumen.

Wenn ich durch das erste Torhaus in den Park des Alten Klinikums gehe, stoße ich sehr schnell auf diese Weggabelung und freue mich über das Lächeln, das dieser winzige Fleck, der einmal ein Laubhaufen war und nun Geschichte schreibt, mir schenkt.

Michaela Stöber

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Lächeln II

Lächeln
das erstirbt, ist wohl das Schmerzlichste, was geschehen kann.

Die Stadtreinigung war da. Ich sah die orangefarbenen Lichter von meinem Fenster aus. Ich war krank, hatte hohes Fieber, konnte nicht rüber gehen und sie stoppen.

Die kleine Insel und die Geschichte, die sie erzählte, ist fort. Nichts erinnert mehr an sie.

Ganze Arbeit geleistet, nichts ist geblieben.

Zufall?

Lächeln ist etwas, das so schnell genommen werden kann.


Es gibt immer ein morgen. Die Insel wird neu entstehen. Die Natur nimmt sich zurück, was schon wieder ihres war.

Michaela Stöber

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An meinem 10. Geburtstag

Am meinem 10. Geburtstag wollte ich im Park zelten gehen. Ich lud also ein paar ausgewählte Freunde ein, sie hießen: Ben,Robin Sara und Vanessa. Wir gingen mit meiner Mutter in den Park und entzündeten ein Feuer, wir legten ein paar Würstchen auf das Feuer. Später bauten wir unsere Zelte auf und warteten darauf, daß alle außer uns schliefen, dann schlugen wir zu! Wir gingen zum Zelt der Mädchen und rüttelten daran. Das wiederholten wir so lange, bis sie aus dem Zelt rauskamen, wo wir sie dann richtig erschreckt haben.Leider sind sie dann zu meiner Mutter ins Zelt geflüchtet.Wir haben natürlich ärger gekriegt und mussten schlafen gehen. Am nächsten Morgen haben wir nochmal am Lagerfeuer gefrühstückt, dann sind wir alle gegangen

The End

Fabian, 13 Jahre

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Ein halbes Leben

Ein halbes Leben ist vergangen, seit mir dieser Ort traurigschöne Erinnerung wurde.

Ich war noch so klein, aber mein Schlaf war nie fest. Ich wachte auf und hörte meine Mami weinen. Als ich sie fand, telefonierte sie und sagte ihm, sie wolle sich nur verabschieden. Sie halte das alles nicht mehr aus, die Liebe zu ihm und die gleichzeitige alltägliche Lüge und Gewalt.

Ich fragte, was sie wieder gemacht habe, bekam aber keine Antwort, nur einen müden, verweinten Blick aus abwesenden Augen. Ich drückte die Gabel des Telefons, nahm ihr den Hörer weg und rief meine Omi an. Sie war zwar in Jugoslawien, wo sie arbeitete, aber sie wusste immer, was zu tun war.

Ich solle den Krankenwagen rufen. Das tat ich sofort. Meine Mami saß nur da, ließ geschehen, schaute nicht einmal hin.

Der Krankenwagen kam und die jungen Männer fingen an, mit meiner Mami durch die Wohnung zu laufen und versuchten, Antworten auf ihre Fragen zu bekommen.

Ich wusste wo ich suchen musste. Plastik geht im WC nicht unter. Es würde alles noch da schwimmen und Auskunft geben. So war es. Ich holte es heraus und zeigte es den Sanitätern.

Sie hörten sofort auf, mit meiner Mami durch die Wohnung zu laufen. Im Krankenwagen durfte ich mitfahren, weil sie mich nicht alleine lassen durften und keine Zeit mehr hatten, wegen mir auf die Polizei zu warten.

Als wir in den Klinischen Anstalten ankamen, war er schon da. Er stand im Eingang der Notaufnahme des Albert-Servais-Hauses. Er sprach mit den Sanitätern, dann mit dem Arzt und ging dann mit in den Raum, in dem meine Mami behandelt werden sollte. Ich folgte ihnen.

Als die Schwester mir sagte, ich solle draußen bleiben, das wäre nichts für Kinder, schrie ich sie an, dass er der Täter sei, immer und immer wieder, und er dürfe nicht dabei sein. Sie sollten ihn sofort wegschicken und mich zu meiner Mami lassen.

Die Schwester überlegte, sprach dann kurz mit meiner Mutter und sagte ihm, er solle bleiben.

Ich wurde weggebracht. Die Nacht verbrachte ich nebenan in der Kinderklinik. Nachdem ich etwas zu trinken bekommen hatte, schlief ich tief und fest. Als ich am Morgen aufwachte, wurde ich von meiner Tante, die auch Krankenschwester in den Klinischen Anstalten war, abgeholt. Sie sagte mir, dass es meiner Mami gut gehe und sie bei ihm sei und von ihm gepflegt werde. In ein paar Tagen sei sie wieder zuhause.

Es war schön für mich, zu wissen, dass es gut gegangen war und traurig, in dieser Nacht meine Position in ihrem Leben verstanden zu haben.

Ich fuhr nicht mehr mit, sagte, mein Papa würde gleich kommen. Sie hat dem nie widersprochen.

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Manchmal

Manchmal, da brauchen wir einander.
Wir treffen uns dann genau in der Mitte.
Wir liegen im Gras,
auf der großen Wiese, gut versteckt
und teilen eine Flasche Bier, vielleicht auch zwei.
Gewöhnlich lachen wir viel.
Aber manchmal, da weinen wir auch.

Manchmal bekommen wir Besuch.
Dann liegen wir zu dritt, zu viert oder zu fünft im Gras,
auf der großen Wiese, gut versteckt
und teilen einen Kasten Bier, vielleicht auch zwei.
Gewöhnlich lachen wir viel.
Aber manchmal, da weinen wir auch.

Manchmal bringe ich meine Hunde mit.
Wir liegen dann so da und träumen.

Manchmal, da wünscht man sich nichts sehnlicher,
als einfach nur dazuliegen.
Dort im Gras,
auf der grossen Wiese, gut versteckt.

Jana

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Die Blätter der Bäume

Die Blätter der Bäume,
mit den Augen des weisen Menschen gesehen,
sind jedes ein Buch für sich -
Zeichen der Weisheit der Schöpfer.

Sadi, Persischer Dichter

Kobra Arizani

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Es ist nicht mein Leben

Es ist nicht mein Leben, das daran hängt.
Es ist nicht mein einziger Traum,
der erfüllt werden soll.
Es ist nicht das Ende der Einsamkeit,
das ich erreichen kann.

Aber

es ist
ein wichtiges Stück meines Lebens.

Es ist
ein mehr als großer Traum.

Es ist
meine Chance,
mit der Einsamkeit nicht alleine Leben zu müssen.

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Erinnerung an den Angriff

In Verbindung mit der Kranzniederlegung für die Aachener Opfer des Bombenangriffs vom 11. April 1944 kommt auch mir die Erinnerung diesen Angriff. Ich befand mich zu diesem Zeitpunkt in den klinischen Anstalten.
Dies als scharlachkrankes Kind in dem für die „Scharlachkinder“ vorgesehen Luftschutzkeller und kann mich an viele Einzelheiten erinnern.
Unter anderem, dass ich während des Angriffs auf dem Schoß einer Krankenschwester saß, die mir ein feuchtes Mulltuch vor Mund und Nase hielt wegen des eindringenden Rauchs, der das Atmen erschwerte.
Man erzählte mir später, der Luftschutzkeller nebenan sei eingestürzt und ich sei eines der vier Kinder, die überlebt hätten.

Heute wüsste ich gerne, ob von den anderen Überlebenden oder Schwestern noch jemand da ist, der sich an die Kinder erinnert, die dort mit Scharlach und Diphtherie lagen.

Ich habe vor, diese und andere persönliche Kindheitserinnerungen aus der Kriegszeit niederzuschreiben. Mag sein, dass unsere Kinder und Enkel sie eines Tages lesen werden.

Renate Schnieder

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Weißt Du noch?

Mit meinen beiden Hunden bin ich in den Park gekommen - wie seit Monaten, Wochen, wie jeden Tag mehrmals..

Sie kannten Euch nicht. Sie kannten Dich und Deinen Hund nicht.

Aufgeregt liefen sie zu Euch, freuten sich über die neue Bekanntschaft, spielten mit Deinem Hund, Daisy, spielten mit Dir. Wir beide standen viele Meter entfernt, schauten zu und lachten.
Es war ein schönes, fröhliches Spiel.
Ich kam zu Dir rüber. Wir setzten uns unter die große Kastanie, die am Rand der oberen Wiese steht und unterhielten uns. Wie immer in solchen Situationen waren die Hunde das Einstiegsthema.
Ganz, ganz schnell aber wendetet sich das. Du sagtest. "Hör mal, ich weiß, dass ich irgendwie verrückt wirke, aber das bin ich nicht mehr." .

Du hast erzählt, was war; Deine Geburt, Deine verschiedenen Pflegeeltern, der Schmerz in Seele und Körper, der Schmerz Deiner damals doch so zarten Weiblichkeit, der Wechsel, die neue Situation, der neue Schmerz, da die leiblichen Kinder die bessere Nummer waren…. Du hast erzählt, Du hast mir erzählt und ich war stolz, weil Du mir vertraut hast. Und ich war erstaunt, denn Du hast erzählt, aber nicht gewertet, Du hast erzählt, aber nicht dabei gelitten.

Einige Monate hattest Du in der Psychiatrie des Klinikums gelebt. Vorher dieser absolute breakdown, völlig am Ende, völlig leer, nur Selbstzerstörung. Ich habe schon so viele zerschnittene Arme gesehen, aber Du hast wirklich ganze Arbeit geleistet.

Du kamst dann immer zur Hunderunde, jeden Abend. Daisy tat das gut. Sie war einmal ein wilder Hund, den Du aus dem Urlaub mitgebracht hattest. Ihr Körper unter dem Fell zeigte; Sie hatte schon viel Schmerz und Verletzung erlebt.
Ihr hattet Euch gesucht und gefunden, denke ich heute.
Was Du mit diesem geschundenen und verängstigten Tier geleistet hast, ist echt einen riesigen Preis wert.
Heute lebt sie mit den Menschen, vermag sie absolut treffsicher zu erkennen und lebt ein unbeschwertes Hundeleben. Nur ein Hundeleben, ist schon klar, aber ein Leben.
Und Dein Leben, wie ging das weiter?

Wir hatten eine coole Zeit. Jeden Tag mit den Hunden und dem Rudel zusammen im Park, Deine Einladung, zu Dir zu kommen und Deine Bilder zu schauen, Deine Freude, wieder im Leben zu sein - wohl zum ersten Mal.
Du hast gemalt, wie keiner es erwartet hätte. Du hattest das Auge, das sieht, und die Seele und Hand, das, was Du siehst, der Leinwand zu schenken.
Da bin ich nun so dermaßen kritisch- aber Du warst so richtig gut.
Schön war, dass Du daran auch geglaubt hast. Darauf kannst Du stolz sein.

Dann hast Du diese Vernissage gemacht. Im Jakobshof waren wir so fünf oder sechs Leute. Das tat weh, nicht wahr!?
Ich hätte uns alle so gerne kopiert um damit mehr Menschen zum Erleben Deiner richtig guten Bilder ein zu geladen.
Aber das ging ja nicht.

.

Stattdessen hast Du, mit den paar Leuten die da waren, mit Sekt angestoßen. Hättest Du das doch nicht getan.
Wir haben Dich gefragt, ob Du sicher bist, dass das in Ordnung ist. "Nein", hast Du gesagt. Du warst nicht sicher, aber was sollten wir machen?
Dir vor den Leuten das Glas wegnehmen?
Seit diesem Abend war alles vorbei.
Du hast nicht eine einzige Tablette mehr genommen, Du hast getrunken, was das Zeug hielt und das mit Drogen kombiniert. Innerhalb von Stunden ging kaputt, was Du Dir in Monaten des therapeutischen Kampfes aufgebaut hattest. Und das hatte Folgen für die nächsten Tage, Wochen und Monate.
Weißt Du noch, wie Du im Gras gesessen hast? Du sahst, einige Meter weiter lag etwas am Boden. Du bist aufgestanden, hast es aufgehoben und bist zu uns gekommen. Du öffnetest die Hand. Wir sahen vier Batterien.
"Nein, ich weiß, was Ihr denkt. Aber die sind nicht von irgendwelchen Leuten. Der Wolf braucht die Batterien. Das ist seine Energie. Er lebt hier. Er lebt unter der Erde. Er braucht die Energie." Dann bist Du wieder zu deinem Liegeplatz gegangen. Du hast dem Wolf die Batterien zurückgegeben. Er brauchte ja wohl auch diese Energie.
Sofort - die Vernissage war gerade 7 Tage her- haben wir Deine Betreuerin angerufen.
Du warst doch komplett entmündigt- so was gibt es heute fast gar nicht mehr.
Sieben Tage hatten wir uns ausgetauscht, beraten und am Ende gemeinsam beschlossen, dass wir Verantwortung übernehmen, dass wir die professionelle Betreuerin informieren, bevor es zu spät ist. Deine Betreuerin hatte alle Möglichkeiten einzugreifen, wenn es notwendig wäre.
Wir erzählten ihr, was bei und mit Dir geschieht. Wir baten, Dich sofort Zwangseinzuweisen, damit Du nicht noch mal durch die alte Hölle gehen musstest. Wir haben ihr erzählt, wie Du nachts durch leere Straßen ranntest, wo wirklich niemand außer Dir war, und Du den Mann hinter Dir beschimpft, geschlagen und getreten hast. Er war verantwortlich für Deinen Schmerz als Frau, als Kind, als…
Deine Geburt, Deine verschiedenen Pflegeeltern, der Schmerz in Seele und Körper, der Schmerz Deiner damals doch so zarten Weiblichkeit, der Wechsel, die neue Situation, der neue Schmerz, da die leiblichen Kinder die bessere Nummer waren…. Deine Betreuerin -früher nannte man das ehrlicher Erwachsenenvormund- antwortete, dass wir einer Fehleinschätzung der Situation erlegen seien. Wir hielten dagegen, dass Du doch auch vor der letzten und ersten (!!) Behandlung in der Psychiatrie, exakt dieselben Zeichen gesetzt hast, bevor Du dann in Angst, furchtbarer Angst und in absoluter Überschuldung versunken bist. Nein, eine Fehlinterpretation von uns. Man werde schon gut hinschauen.
Bitte, sagten wir, Sie haben doch näher als wir erlebt, was passiert, wenn sie diesen Weg geht. Warum muss sie noch mal durch diese Hölle? Sie ist diagnostiziert, leidet unter einer gut behandelbare Form der Psychose, war super eingestellt, war mehr als zufrieden und super zielstrebig, …………. - ………..setzte direkt nach der Vernissage die Medikamente ab und ging den Weg, den sie ging, bevor wir sie kennen lernten. Nein, eine Fehleinschätzung von uns.
Die Fachkraft war sicher, dass es richtig ist, Dich nicht einzuweisen.
Sie war sicher, dass es richtig ist, Dich erneut durch die bekannte Hölle von Verfolgungswahn und so vielem mehr zu schicken, anstatt Dich einfach für ein oder zwei Wochen einweisen zu lassen, damit Du wieder da abgeholt wirst, wo Du doch Tage zuvor noch warst. Eine prima Fachkraft. Eine richtig gute Betreuerin nach dem Betreuungsgesetz, die in keiner Weise bereit war, anzunehmen, was Dein direktes Umfeld in Klarheit, Sorge und Angst um Dich, wahrnahm. So ging es weiter.
Immer hattest Du Gewichtsprobleme.
Als ich Dich das letzte Mal sah, war da fast noch nicht mal mehr Haut auf den Knochen. Ich fragte Dich, ob das noch ok. ist.
Du meintest: "Mach Dir keine Sorgen, ich schaue da ganz genau hin. Ich prüfe jeden Morgen im Spiegel, ob es sich wellt. Das ist nicht so. Es geht mir gut." Eine Fehleinschätzung Deinerseits, die wir hinnahmen. Mit unserem Schweigen haben wir versucht, für Dich da zu sein, Dir zu helfen.
Du hast nicht mehr ausgehalten, was Dich trieb und quälte.
Du bist tot. Du hast Dich umgebracht.
Heute, heute an diesem verdammten Tag, habe ich das erfahren.
Weißt Du noch, wie wir uns kennen gelernt haben?
Wir konnten zusammen reden, denken, lachen… und so viel mehr.
Eine begnadete Malerin warst Du überdies.
Weißt Du noch, dass es da eine ganz, ganz kurze Zeit gab in der Leben, die für Dich Freude war?

Du bist tot.
Wir wussten, dass das droht.
Wir haben versucht, Dich zu schützen.
Leider hat das nicht interessiert.

Unsere "Fehleinschätzung" war ein Treffer ins Schwarze.
Wie sehr wünschten wir, es wäre nicht so gewesen!

Wir wünschen Dir, dass es da, wo Du jetzt bist, eine Welt gibt, die Dir Heimat ist, der Du wichtig bist, die sich um Dich kümmert und Dich lieb hat. Du hast das mehr als verdient und wir hätten uns gewünscht, dass Du eine Betreuung hast, die es uns ermöglicht hätte, mit Dir genau das im Leben und in dieser Welt zu teilen. Wir müssen uns fragen, was wir besser hätten machen können, um Deine Betreuerin zu zwingen, für Dich da zu sein. Auch wir haben versagt.
Bitte verzeih uns.

Wenn da wirklich das Leben ist, nach dem Tod, dann bitte, bitte genieß es, oder fang wenigstens an, das Wort "Genuss" kennen zu lernen.
Vielleicht schaffst Du es ja diesmal, neben dem Wort auch den Inhalt zu kapieren und es Dir zueigen zu machen.
Ja, jetzt bist Du sauer mit mir.
Wie gerne hätte ich mit Dir darüber gestritten.

Es tut mir so leid.
Bitte verzeihe uns, wir haben versucht, was wir konnten.
Besser waren wir einfach nicht.
Zu wenig, nicht wahr!?

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