Wir bedanken uns bei den "Aachener Nachrichten"
und der "Aachener Zeitung" für die Erlaubnis, relevante Artikel
wiedergeben zu dürfen.
AN Do. 26. August 2004
Eine Oase der Ruhe mitten in der Stadt
Der Lieblingsplatz von Ingrid Lau liegt mitten im Park Altes Klinikum.
Mit dem Gelände verbindet sie viele Kindheitserinnerungen.
Unter einen mächtigen Kastanienbaum schaltet sie ab vom Alltagstrubel.
Aachen
Den Weg in den Park durch das untere Tor in der Goethestraße ist Ingrid Lau schon oft gegangen. Zu ihrem Lieblingsplatz folgt sie noch ein Stück den alten Asphaltweg hinauf, bis zu dem kleinen Hügel mit dem mächtigen Kastanienbaum.
Unter seinem Blätterdach, an den mehr las 100 Jahre alten Stamm gelehnt, fühlt sich die Schreinerin geborgen. Hier kann sie den Staub aus der Werkstatt abschütteln und nach dem Lärm der Maschinen die Ruhe genießen. Die Position erlaubt einen guten Blick auf den alten Baumbestand, um sie herum blüht der Klee auf den wilden Wiesen und viel üppiges Buschwerk lässt die Häuser im Hintergrund lediglich erahnen.
Nur die gedämpften Straßengeräusche erinnern an die nahe Stadt. Genau das findet Ingrid Lau an diesem Ort so beruhigend: Sie ist mitten in der Natur und trotzdem nur einen Steinwurf von der Alltagswelt entfernt.
Wie ein Freund
Hier ruht sie an ihrem Feierabend aus, vertieft sich am Wochenende in ein Buch oder sucht Trost. Wie ein alter Freund habe der Baum ihr schon in schweren Lebenslagen Halt gegeben und bei wichtigen Entscheidungen allein durch seine erhabene Ruhe beigestanden.
Nicht nur die stille und das üppige Grün ziehen Ingrid Lau immer wieder hierher. Die 36-Jährige verbindet viele Kindheitserinnerungen mit dem Gelände. Mittlerweile wohnt sie in Burtscheid, doch aufgewachsen ist sie in diesem Viertel und ihr Arbeitsplatz liegt nur wenige Straßen entfernt. Ihre Mutter arbeitete in dem alten Klinikum als Chirurgin und ihre Tante war dort in der Apotheke beschäftigt.
Ihr erster Kontakt mit dem alten Klinikum ist ihr allerdings nur aus Erzählungen bekannt: Ihre Mutter brauchte sie hier als erstes von fünf Kindern zur Welt. Als ihre Zwillingsschwestern geboren wurden war sie schon neun. Ingrid Lau erinnert sich noch sehr gut, wie ihr eine Schwester die beiden Babys hinter einer Glasscheibe zeigte. Später haben sie dann gemeinsam in dem Park gespielt. Um die ehemalige Bebauung zu dokumentieren, von der heute nur noch das Haus des katholischen Hilfswerkes Missio übrig ist, und die Erinnerung an diesen Teil Aachener Geschichte aufrecht zu erhalten, sucht sie auf Flohmärkten und in Antiquariaten nach alten Postkarten mit Fotos.
Als Schülerin des Rhein-Maas-Gymnasiums ließ sie im Frühjahr 1985 keine Gelegenheit aus, die Abbrucharbeiten zu beobachten. Dass damals gerade die Kastanien anfingen zu blühen, während ringsum die Häuser in sich zusammenbrachen, weiß sie heute noch. Mittlerweile sind die Flächen zusammengewachsen und nur ab und an erinnern alte Parkmarkierungen und Reste von Straßenlaternen an vergangene Zeiten. Wer hierher kommt, sucht Ruhe, Auslauf für seinen Hund oder einfach ein Gespräch.
"Mittlerweile kenne ich alle hier und natürlich die Hunde", lacht Ingrid Lau, als Carus der Schnauzermischling sie begrüßt und sich das hohe Gras unter dem Baum schmecken lässt. Mit Carus Frauchen kommt sie schnell ins Gespräch. Man kennt sich, tauscht Neuigkeiten aus und hilft sich auch schon einmal. Eines der Hauptthemen ist der Verkauf eines Großteils des Geländes und die Baupläne.
Protest und Poesie
Wir viele Parknutzer ist auch Ingrid Lau in dem Bürgerverein "LuuP" (Lasst uns unseren Park) aktiv. Sie hat ihren Protest und die Sorge um ihren Baum in Gedichtzeilen gefasst, die an der Tafel im Park aushängen. Neben der Liebe zur Natur liegt der jungen Frau die Poesie am Herzen:" Wenn ich nicht Schreinerin gelernt hätte, wäre ich bestimmt Gärtnerin geworden oder vielleicht auch Dichterin", lächelt sie verschmitzt.
Von unserer Mitarbeiterin Sabine Busse
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