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AZ Do. 9. Dezember 2004

Qualmende Diesel sorgen für rauchende Köpfe

Aachen

Der Kaiserplatz: Unauffällig steht dort ein kleiner Container. Kaum jemand nimmt Notiz davon.

Dabei wird diese Luftmessstation des Landesumweltamtes die Stadt ab 1. Januar in Atem halten. Denn dort wird rund um die Uhr registriert, was unter anderem die Massen von Autos, Lastern und Bussen hinten rauspusten.

Auch bei der Stadt herrscht durchaus Alarmstimmung. Ab 2005 gilt die neue EU-Richtlinie zur Luftqualität. Und hier geht es Aachen nicht besser als anderen Städten: Die Grenzwerte - vor allem für Feinstäube wie Rußpartikel - werden am Kaiserplatz nicht selten überschritten. Übersteigt die Zahl dieser Tage 35, müssen Sofortmaßnahmen ergriffen werden.

Diese Grenze wäre in den Jahren 2000 und 2003 mit jeweils 47 Tagen deutlich überschritten worden. Auch 2004 wird die 35er-Marke geschrammt. Im schlimmsten Fall könnten Fahrverbote die Folge sein, wenn man keine anderen Lösungen parat hat.

Von diesen Lösungen ist Aachen noch ein Stück entfernt. Umweltdezernentin Gisela Nacken muss zugestehen, dass man sich hier in die Phalanx anderer Kommunen, des Landes und des Bundes nahtlos einreiht. Seit Jahren ist die Richtlinie bekannt, Konzepte liegen drei Wochen vor Inkrafttreten nicht auf dem Tisch.

Schnell müssen Lösungen her, denn das Horrorszenario der Innenstadtsperrung ist kein utopisches. Man werde im Januar eine Arbeitsgruppe zusammenrufen, in der Verkehrsplaner wie Umweltexperten oder auch die Aseag sitzen.

«Wir werden dann Konzepte entwickeln, denn wir wollen mit allen Mitteln verhindern, dass die Grenzen überschritten werden», so Gisela Nacken. Denn für diesen Fall gibt es erst recht kein Patentrezept. Weder Sperrungen noch eine Art Maut kann sich die Stadt vorstellen. Auch kann man kaum Lastwagen oder Diesel-Pkw ohne Rußfilter «aussortieren». Wer sollte das auch kontrollieren?

«Was diese Frage angeht, bin ich im Moment noch ratlos», räumt auch Elmar Wiecorek, Chef des Fachbereichs Umwelt, ein. Die Stadt werde mit Hochdruck an Lösungen arbeiten, gefragt seien aber in erster Linie Bund und Land, denn dort wurde das Thema offenbar noch grandioser verschlafen: «Es müssen Luftreinhaltepläne entworfen werden.»

Überhaupt seien die städtischen Möglichkeiten begrenzt. Aachen als Pendlerstadt im Talkessel - an dieser Situation wird keine Idee etwas ändern. «Die einzige weit greifende Lösung bieten Änderungen der Antriebstechnik der Fahrzeuge», so Wieczorek.

Hätten alle Diesel-Fahrzeuge schon Rußfilter, bräuchte man sich zumindest bei den Feinstäuben keine Gedanken mehr zu machen. Daran könne die Kommune aber nichts machen - außer bei den eigenen Fahrzeugen wie den Aseag-Bussen in Form von Filtern oder Alternativtreibstoff.

Als untauglich sieht der Fachbereichsleiter solche Dinge wie Umleitungen der Verkehrsströme in weniger befahrene Bereiche oder Sperrungen an: «Zwar entsprechen wir dann vielleicht an Knotenpunkten den Richtlinien, aber das Problem wird doch dann auch nur verlagert.»

Während die Diesel weiter qualmen, rauchen in der Verwaltung also die kräftig die Köpfe...

Von unserem Redakteur Stephan Mohne (08.12.2004 | 19:59 Uhr)

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