Wir bedanken uns bei den "Aachener Nachrichten" und der "Aachener Zeitung" für die Erlaubnis, relevante Artikel wiedergeben zu dürfen.


AN-online Do. 27. Januar 2005

Wieder fiel das böse Wort «Erpressung»

Aachen

Bernhard Berg, Chef der Immobilien-Sparte bei AMB Generali, dürfte sich am Mittwoch Abend keine neuen Freunde gemacht haben. Im Couven-Gymnasium war große Bürgeranhörung zu den Erweiterungsplänen des Versicherungskonzerns auf dem Gelände des Alten Klinikums. Bei dieser Gelegenheit erklärte Berg zum Missfallen des Publikums, bei zu großen Widerständen in Aachen könne man sich auch einen Umzug der Zentrale an einen anderen Standort in Deutschland vorstellen.

Das kam nicht gut an, zumal die rund 100 Teilnehmer der Veranstaltung einer weiteren Bebauung des Parks fast ausnahmslos skeptisch bis feindlich gegenüberstanden. Prompt machte der schon alte Vorwurf der «Erpressung» erneut die Runde, eine Besucherin ließ ihrem Frust freien Lauf: «Das wird ja langsam zum Krimi, was da abläuft.»

Um genau diesen Verdacht zu zerstreuen, dass nämlich beim inzwischen erfolgten Verkauf des 32.000 Quadratmeter großen Grundstücks an die AMB und bei der Vorbereitung der Bebauung hinter den Kulissen geschoben und getreten worden sei bzw. werde, hatte die Stadt zum Gedanken- und Informationsaustausch eingeladen. Trotz der seit Monaten aufgeladenen Stimmung rund um das Parkgelände ging das fast dreistündige Frage- und Antwortspiel ohne größere Turbulenzen über die Bühne, was nicht zuletzt der gekonnten Moderation von Angelika Hildersperger (Planungsamt) zu verdanken war.

Dabei schien die Zusammenkunft am Anfang alle Chancen zu haben, aus dem Ruder zu laufen. Erregt warf ein Teilnehmer den zahlreich erschienenen Vertretern der Verwaltung vor, die Stadt habe der AMB Gelände verkauft, das ihr überhaupt nicht gehöre, «es gibt keinen Grundbucheintrag». Der ganze Vorgang sei «kriminell». Ein Rechtsanwalt monierte, der Verfahrensablauf sei «fehlerhaft», weil die Stadt mit nicht korrekten Informationen arbeite. Und dass länger als eine Stunde ohne Mikrophon geredet werden musste, trug auch nicht zur Stimmungsaufbesserung bei.

Dann trat aber Beruhigung ein, allerdings machten die zahlreichen Wortmeldungen deutlich: Im Couven waren offensichtlich nur Kritiker der AMB-Pläne anwesend. Immer wiederkehrende Fragen: Warum soll/muss ausgerechnet an dieser Stelle gebaut werden (zur Auswahl stehen vier vom Architekturbüro Höhler entworfene Varianten)? Warum muss wieder der Park dran glauben (große Teile desselben werden bereits von der AMB genutzt)? Und geht das immer so weiter, bis das gesamte Gelände betoniert ist?

Berg erklärte unter anderem, der drittgrößte deutsche Versicherungskonzern müsse sich für die Zukunft rüsten, benötige die Erweiterungsbauten (für die Holding und die IT-Tochter) dringend - und zwar im Park, damit die erforderliche «Verknüpfung» stattfinden könne. Berg: «Es ist ökologisch nicht sinnvoll, aus der Innenstadt rauszugehen und am Rand neu zu bauen.»

«Wieso Wachstum?»

Im übrigen gehe es um «Arbeitsplatzsicherung», zudem habe die AMB «ein deutliches Wachstumsziel». Zuruf: «Wieso Wachstum, die Bevölkerung wird doch immer kleiner» - mithin wohl auch die Zahl der Versicherungspolicen. Hoch und heilig versprochen wurde jedenfalls, nicht mehr als nötig in den Park einzugreifen - «wir sind ein Wirtschaftsbetrieb und bauen nicht mehr, als wir brauchen» (Berg).

Die Beigeordnete Gisela Nacken hatte zu Beginn versichert, alle Bedenken und Anregungen würden in das weitere Verfahren einfließen, «hier werden keine schon vorhandenen Ideen eins zu eins umgesetzt», entscheiden würden am Ende eh die Politiker.

Angelika Hildersperger nach Austausch aller Argumente: «Manches muss heute wohl erstmal so stehen bleiben.»

Aachener Nachrichten online - Aachener Nachrichten (Stadt) 27.01.2005 23:27

top | zurück |

 

Home, falls nur dieser frame sichtbar ist.