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AZ 27. Januar 2005

Wurde der Park der Politik «abgepresst»?

Aachen

Der Grundsatzstreit ist ausgefochten, der politische Beschluss gefasst, der Kaufvertrag notariell besiegelt - doch in Sachen Altes Klinikum kehrt mitnichten Ruhe ein.

Im Gegenteil: Das Bauvorhaben des Konzerns AMB Generali im Parkgelände an der Goethestraße erregt weiter die Gemüter und bringt abermals die Aachener Grünen auf die Palme. Von einem «Skandal» spricht die grüne Ratsfrau und Vorsitzende des Umweltausschusses, Monika Kuck, und sagt: «Dieser Park ist der Politik unter falschen Argumenten abgepresst worden.»

Auslöser für die heftige Kritik sind die vier Planvarianten für die Erweiterung des Konzerns im Parkgelände, die jetzt öffentlich eingesehen werden konnten. Und Auslöser sind auch die Aussagen des Vorsitzenden der Geschäftsführung der AMB Generali Immobilien GmbH, Bernhard Berg, während der Bürgeranhörung am Mittwochabend im Couven-Gymnasium.

Der hatte nämlich auf die Frage, warum man unbedingt in unmittelbarer Nähe der bestehenden Gebäude bauen müsse, geantwortet: «Wir müssen eng miteinander kommunizieren können, sozusagen auf einem Flur.»

Dass es um den direkten Kontakt der Mitarbeiter gehe und nicht um Datenaustausch, sei neu, so Kuck: «Der Politik wurde die direkte Anbindung an das bestehende Hauptgebäude seitens der AMB als absolutes daten- und sicherheitstechnisches Muss verkauft. Das war ein K.o.-Kriterium.»

Nun zeigten jedoch auch zwei der vier Planvarianten, dass eine direkte Anbindung an die vorhandene Bebauung offenbar nicht nötig sei. Ergo hätte man, so Kuck, auch auf der Brache auf der anderen Seite der Goethestraße bauen können: «Da wird wegen eines maximal 100 Meter längeren Fußwegs für die AMB-Mitarbeiter eine wertvolle Fläche geopfert.»

Wäre das vorher bekannt gewesen, mutmaßt die grüne Ratsfrau, hätten manche Ratsleute vielleicht anders entschieden.

Dem widerspricht jedoch CDU-Fraktionsvize Harald Baal: «Ich sehe keine veränderte Situation. AMB hat uns glaubhaft dargestellt, dass der Standort im Park wegen enger logistischer Verzahnung notwendig ist.»

Zudem sei das Grundstück auf der anderen Seite der Goethestraße nicht in städtischem Besitz und habe deshalb nie ernsthaft zur Debatte gestanden. Dass der politische Verkaufsbeschluss kaum umkehrbar sein wird, wissen indes auch die Grünen. «Der Zug ist wohl abgefahren», sagt Kuck.

Die Sorgen, Bedenken und Anregungen der Bürger sollen gleichwohl soweit möglich ins Planverfahren einfließen. Bei der Bürgeranhörung wurden sie vehement und zahlreich artikuliert. Mehr als 100 Menschen, fast ausschließlich Gegner des Projekts, waren gekommen.

«Wir werden alle anstehenden Fragen unabhängig und streng nach dem Gesetz prüfen», versprach Planungsdezernentin Gisela Nacken. Für den AMB-Konzern bekräftigte dagegen Berg: «Wenn das scheitert, müssten wir uns überlegen, mit der Holding an einen zentraleren Standort in Deutschland zu gehen.»

Von unserem Redakteur Oliver Schmetz (27.01.2005 | 20:01 Uhr)

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