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AN Sa. 20. August

Ein Zeppelin lenkt Blicke auf den Dom

Aachen Keineswegs zur optischen Erbauung, vielmehr als Versuchsballon dümpelte am Montag für ein paar Stunden ein Helium-Zeppelin überm Grün des Parks am Alten Klinikum.

Nicht von ungefähr, wie Stadtpressesprecher Hans Poth erklärte: Bekanntlich will die AMB Generali eben dort einen knapp 70 Meter hohen Büroturm errichten. Mit Hilfe des Ballons soll nun eine Computersimulation erstellt werden, die präzisen Aufschluss darüber gibt, ob und aus welchen Perspektiven betrachtet das Gebäude den Blick auf den Dom beeinträchtigen könnte.

Hintergrund der vordergründigen Geschichte: Das Beispiel Köln buchstäblich vor Augen, wollen die Planer eine Debatte über die Gefährdung des Weltkulturerbes Nummer eins auf der Unesco-Liste für Europa durch Wolken kratzende Neubauten erst gar nicht aufkommen lassen.

An den Ufern des Rheins nämlich schlägt die Diskussion über einen geplanten Großkomplex mit Hotel- und Bürotürmen hohe Wellen - die Unesco drohte bekanntlich, das weltberühmte Gotteshaus auf die «Rote Liste» der gefährdeten Monumente zu setzen: Die freie Sicht auf den Dom sei gefährdet.

"Dergleichen ist in Aachen allerdings kaum zu erwarten", meint Architekt Ernst Höhler, der die Planungen für die AMB federführend betreut. Dennoch wolle man auf Nummer sicher gehen; in etwa vier Wochen könne man ein entsprechendes Szenario vorlegen. Der Zeppelin - zehn Meter lang, Durchmesser etwa vier Meter - wird dazu von verschiedenen Punkten aus der Stadt fotografiert-- unter anderem diversen großen Zufahrtsstraßen, Auto- und Eisenbahntrassen sowie dem Lousberg. Eine Simulation des fertigen BüroNeubaus soll mit Hilfe des prallen Platzhalters in eine entsprechende Computerdarstellung hinein projiziert werden. So soll geprüft werden, ob das Aachener Münster von unterschiedlichsten Sichtachsen aus verdeckt werden könnte. Dies, erläutert Poth, könne später auch für andere Planungen durchaus von Belang sein.

Im Grunde sei die Situation im Talkessel freilich eine ganz andere als die im Herzen der Kölner Bucht - wo der Dom von jeher den Blick auf die Stadt auch aus großer Entfernung maßgeblich präge, betont Höhler. Es gebe bereits zahlreiche Gebäude selbst in der Aachener Innenstadt, die weit größer sind als das hiesige Wahrzeichen. Dessen höchsten Punkt markiert der goldene Wetterhahn in 78 Metern Höhe, die Chorhalle misst gerade einmal 33, das Oktogon 31 Meter.

Höhler bleibt also sehr optimistisch, dass der Planungsausschuss des Stadtrats Ende Oktober zumindest "perspektivisch" grünes Licht für das AMB-Projekt gibt. "Eine endgültige Genehmigung des Projekts ist ohnehin nicht vor dem nächsten Jahr zu erwarten."

Von unserem Redakteur Matthias Hinrichs (29.08.2005 | 16:37 Uhr)

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