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Aachener Nachrichten Mi. 22. September

AMB stoppt die Planung, und LuuP jubiliert schon

Park Altes Klinikum: CDU und SPD zeigen sich nicht sehr amüsiert angesichts der Verzögerung. Bürgerinitiative sieht sich schon auf der Siegerstraße. Frage aller Fragen: Aufschub oder Ausstieg? IT-Bereich soll 50 Millionen Euro sparen.

Aachen. Dir überraschende Ankündigung des Versicherungskonzerns AMB Generali, alle Planungen für die Erweiterungsbauten an der Goethestraße zurückzustellen, hat den erwarteten Staub aufgewirbelt. Wie gestern berichtet, will der Konzern vor einer endgültigen Entscheidung die Bedarfsschätzungen im Rahmen eines Dreijahresplans 2006/2008 abwarten. Während dieses neuerliche Intermezzo in der unendlichen Geschichte um die künftige Nutzung der beliebten Grünfläche die Ratheuspolitiker von CDU und SPD allmählich mit Groll erfüllt, jubelt die Bürgerinitiative. "Wir gehen davon aus, dass der Park Altes Klinikum gerettet ist", hieß es am Mittwoch bei LuuP e.V.

"Ungünstig für uns."
Vor allem Christ- und Sozialdemokraten mussten sich in der Vergangenheit viel Kritik anhören, weil sie das Parkgrundstück an den Konzern verkauft hatten.
Harald Baal, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU, zeigte sich denn auch wenig amüsiert vom Gang der Dinge, zumal es "ungünstig für uns" sei, "so stoßweise" unterrichtet und mit immer neuen Änderungen konfrontiert zu werden: "Zuerst war von einer vier- bis fünfgeschossigen Bebauung die Rede, dann kam die Campus-Lösung, danach hieß es: Auch ein Türmchen wäre doch was Schönes."

Trotz dieser "Probleme im Informationsfluss", so Baal, sei der Verkauf des Grundstücks an die AMB grundsätzlich richtig gewesen – damit sich Aachen im Wettbewerb mit anderen Standorten des Konzerns behaupten könne.
Wenn sich allerdings am Ende herausstellen sollte, dass der ganze Ärger, den man sich mit Anwohnern und LuuP-Anhängern aufgehalst habe, für die Katz gewesen sei, dann wäre das schon "ein harter Schlag". Für den Augenblick gelte jedoch: abwarten und versuchen, "mit der AMB im Gespräch zu bleiben".

Ratsherr Norbert Plum, bei der SPD zuständig für die Stadtplanung, nennt die neuen Unsicherheiten "bedauerlich", zumal es nach langen Auseinandersetzungen zu einem vernünftigen Kompromiss bei der Nutzung des Geländes gekommen sei. Bei allen Überlegungen habe immer das Arbeitsplatzargument im Vordergrund gestanden, von daher wäre es eine arge Enttäuschung, wenn nun doch nicht gebaut würde – nachdem sich auch die SPD gegen alle Widerstände „dermaßen reingehängt“ habe.

Bei den Grünen, von Anfang an gegen alle Baupläne im Park, sind derweil erste Gerüchte angekommen, der Stellenabbau bei der AMB nehme immer mehr Fahrt auf, so dass Erweiterungen überhaupt keinen Sinn mehr machten. Fraktionssprecherin Elisabeth Paul: "Wir fänden es natürlich gut, wenn der Park nicht bebaut würde."

Personalabbau bei AMB.
Fest steht, dass im Rahmen des neuen Dreijahresplans allein bei der AMB-Tochter Aachen-Münchener 480 Arbeitsplätze zur Disposition stehen (nachdem bei Generali insgesamt im Zeitraum 2003 bis 2005 bereits 2800 Stellen gestrichen wurden). Weitergehende Recherchen der "Nachrichten" haben ergeben, dass der IT-Bereich die Vorgabe hat, bis 2008 50 Millionen Euro einzusparen. Generell könne man davon sprechen, so ein Insider, dass es im Konzern flächendeckend "schleichenden Personalabbau" gebe.

"Einsehen gehabt"
. Ob die Verzögerung bei der Neubauplanung vor diesem Hintergrund zu sehen ist, ob aus dem Aufschub ein endgültiger Ausstieg wird, dazu kommen von der AMB keine eindeutigen Signale. Nur so viel ist zu hören: Entschieden wird nach Vorliegen aller Eckdaten – und dann kann es in die eine wie in die andere Richtung gehen.

Michaela Stöber vom LuuP-Vorstand sieht sich allerdings schon auf der Siegerstraße: Der Großaktionär in Triest habe offensichtlich ein Einsehen gehabt und sei dabei, "die Aachener Hochhauspläne" zu stoppen. Fazit: "Es lohnt sich, sich zu wehren, auch wenn unsere Situation stets an David gegen Goliath erinnerte."
Was, wenn die AMB tatsächlich einen Rückzieher macht? Die Stadt Aachen kann das Grundstück dann wieder übernehmen (muss es aber nicht) – eine solche "Rückauflassung" gibt es häufiger, wenn nicht alle Blütenträume reifen. Allerdings müsste die klamme Stadt dann tief in den Beutel greifen, denn die AMB hat bereits einen Teil des Kaufpreises überwiesen: 1,4 Millionen Euro.

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